Schach Dichtung    

    
    
Die Kinder der Dichtung

Zur Dialektik von Traum und Wirklichkeit
 



 


 
 
Ist denn die Wirklichkeit nicht erdacht, schlicht ersponnen,
eine Dichtung unseres Geistes,
der aus dem Reiz trüber Sinne sich nährt
und in kühnen Deutungen die Welt uns erschließt?
 
Zweifelsfrei ist die Traumwelt,
die Heimstatt hehrer Ideen, ersonnen,
eine Elegie der Phantasie
und wahrhaft stolzes Rankgewächs,
das als Zartspross
aus des Alltags Niederwuchs
munter sich enttrotzte
zu reiferer Blüte.
 
Beide Sphären,
die der Wirklichkeit
als auch des Traumes,
sind daher gleichen Ursprungs,
dem der Dichtung.
 
Und wie ein Geschwisterpaar
reichen Erscheinung und Traumbild
sich treu die Hände,
vereinigen sich wie zwei Flüsse es tun:
Rauschend’ Verlangen
mit strömendem Eifer hinstrebend
und einend still sich ergeben
sodann ins unendliche Meer
menschlicher Deutung.
 
Traumwelt ist daher Wirklichkeit,
eins ins eins vermengt.
 
 
Auch ihr, allgewaltige Parzen,
naht euch dem Reich der Ideen,
des Traumes holden Phantomen,
den treu euch Empfangenden!
 
Ihr schließt deren Bild
in den Busen still ein
und bildet getreu
nach ihren Gesetzen
das Irdische,
webt in den Teppich hierin
des Menschen Geschick!
 

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